Ausbildungsmarkt im Alarmzustand – so schlimm ist es wirklich

Die September-Zahlen der Agentur für Arbeit lassen keinen Zweifel: Der Ausbildungsmarkt in Deutschlang gräbt sich immer tiefer in die Krise. Nur noch 433.540 Bewerberinnen und Bewerber stehen 522.870 offenen Ausbildungsstellen in der deutschen Wirtschaft gegenüber. Pro 100 Ausbildungsstellen gibt es somit nur noch 83 Interessierte. Die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber ist gegenüber dem Vorjahresmonat um 8% gesunken.

Die erhoffte Erholung auf dem Ausbildungsmarkt im dritten Corona-Jahr ist somit ausgeblieben. Doch was können Unternehmen tun, um im Kampf um die Nachwuchstalente nicht leer auszugehen? "Es gibt auch hoffnungsvolle Zahlen", so André Mücke, Inhaber der auf Ausbildungsmarketing spezialisierten Agentur DSA youngstar. "Rund 25.000 Bewerberinnen und Bewerber sind noch aktiv auf der Suche nach einem Platz – auch noch für dieses Jahr. Das ist ebenfalls einer der Top-Werte der vergangenen Jahre.". Wir haben ein Interview mit dem Experten geführt.

Ausbildungsmarkt im Alarmzustand – so schlimm ist es wirklich

(c) pixabay

jungezielgruppen.de: Wie kommt es, dass auf der einen Seite so viele junge Menschen noch nach einer Ausbildung suchen und gleichzeitig so viele Plätze unbesetzt bleiben?

André Mücke: "Wir haben hier ein klassische Allokationsproblem – und ein Informationsproblem“, erläutert André Mücke. „Viele junge Menschen haben keine Vorstellung, welche Berufs- und Karriereperspektiven sie durch eine Berufsausbildung erlangen können. Viele Schulabgängerinnen und Schulabgänger fühlen sich zu wenig informiert; eine Berufsorientierung gab es coronabedingt in vielen Schulen in den letzten Jahren nur noch sehr eingeschränkt.“

jungezielgruppen.de: Und was können Betriebe nun machen?

André Mücke: "Die jungen Leute wünschen sich mehr berufliche Orientierung“, so der DSA-Chef weiter. „Und genau hier können Unternehmen ansetzen. Wir empfehlen unseren Kunden, die eigenen Ausbildungsangebote über geeignete Kanäle direkt in die Berufsorientierung der Schulen zu integrieren. Das hilft den Schulen bei ihrer Arbeit und sorgt für hohes Interesse seitens der Schülerinnen und Schüler. Eine Win-Win-Situation für Schule und Wirtschaft."

Ausbildungsmarkt im Alarmzustand – so schlimm ist es wirklich

jungezielgruppen.de: Welche Kanäle wären das beispielsweise?

Ausbildungsmarkt im Alarmzustand – so schlimm ist es wirklich

André Mücke, DSA youngstar Bild (c) DSA youngstar

André Mücke: "Wie arbeiten an hunderten von Schulen mit Zukunftssäulen. Das sind Stelen mit sowohl analogen Medien wie Postkarten und Broschüren, als auch mit einem digitalen Screen, auf dem die konkreten Jobangebote in der Region angezeigt werden. Auch Bewerbungsratgeber und Collegeblöcke liegen nach wie vor stark im Trend. Sie unterstützen die Arbeit der Schule nachhaltig und bringen die Ausbildungsangebote direkt in die Schulen."

Mittlerweile gibt es einige Agenturen, die sich auf Employer-Branding und Ausbildungsmarketing spezialisiert haben. Wer als Unternehmen die Kosten scheut, kann auch auf kostenfreie Angebote wie beispielsweise die Website www.machs-wie-wir.de ausweichen. Seit Anfang September gibt es von der DSA unter https://www.dsa-youngstar.de/dsa-academy einen kostenfreien Zugang zu weiteren Informationen rund um die Ausbildungsmark-Lage. Eine umfangreiche Statistik zum Ausbildungsmarkt liefert zudem die Agentur für Arbeit unter https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Interaktive-Statistiken/Ausbildungsmarkt/Ausbildungsmarkt-Nav.html.