Freizeit für Kinder immer kürzer getaktet

  1. Freizeit für Kinder immer kürzer getaktet

Das Freizeitverhalten der Kinder in Deutschland verändert sich deutlich: Vor allem draußen stattfindende zeitaufwändige Aktivitäten gehen zurück, flexible Häppchen-Freizeit befindet sich dafür im Vormarsch.

Dies ist ein Ergebnis der aktuellen Studie "Trend Tracking Kids © 2019", durchgeführt vom auf Kinder- und Jugendforschung spezialisierten Meinungsforschungsinstituts iconkids & youth. Diese Repräsentativbefragung beleuchtet ausführlich die unterschiedlichsten Lebensbereiche von Kindern und Jugendlichen und findet jährlich seit 2003 statt.

64% der 425 befragten 6- bis 9-Jährigen geben an, sie würden mindestens mehrmals pro Woche Freunde besuchen. Im Jahr 2016, also vor 3 Jahren, waren es noch 73% der Kinder, 9 Prozentpunkte mehr.

Dazu spielen immer weniger Kinder regelmäßig draußen. Waren es 2016 76%, sind es jetzt noch 65%. Deutlich ist auch der Rückgang an Kindern, die mehrmals in der Woche im Verein Sport treiben. 34% regelmäßige Sportverein-Aktive 2016 stehen nur noch 23% 2019 gegenüber.

Eine wichtige Ursache für das veränderte Freizeitverhalten liegt in der Zunahme der Ganztagschulangebote

"Wer erst um 16.00 Uhr von der Schule nach Hause kommt, der hat weder Zeit noch Lust für zeitraubende Aktivitäten. Dem bleibt neben den Hausaufgaben oft nur das Chillen, bis er 4 Stunden später wieder ins Bett muss," so Ingo Barlovic, Geschäftsführer von iconkids & youth.

Zu dem Trend trägt aber auch die Überbehütung der Kinder bei. „Kinder sollen immer mehr unter Kontrolle sein. Es fehlt an Freiraum, um neue Erfahrungen zu machen. Dies wäre aber wichtig für die Persönlichkeitsbildung“, glaubt der Jugendforscher.

Freizeitaktivitäten zu Hause zeigen recht wenig Veränderungen

Drinnen kann man schneller und flexibler etwas tun, es ist weniger zeitaufwändig und man steht unter Kontrolle. Jedoch hilft mittlerweile nur noch ein gutes Drittel (31%) der 6- bis 9-Jährigen mehrmals in der Woche bei der Hausarbeit, 6 Prozentpunkte weniger als 2016 (37%).

Auffällig ist das veränderte Medienverhalten: Nur noch 70% der Kinder schauen täglich das klassische (=lineare) Fernsehprogramm, also Fernsehen live. 2016 taten dies noch 78%. Bei den Kindern muss das klassische Fernsehen damit in den letzten 3 Jahren einen Verlust von 8 Prozentpunkten an täglichen Sehern hinnehmen.

"Während sich die Kinder bei dem Fernsehen danach richten müssen, was im Moment läuft, können sie bei kostenlosen Videoplattformen oder Streaming-Diensten darüber entscheiden, was sie wann sehen möchten. Dazu müssen sie bei den oft kurzen Videos weniger Zeit investieren", meint dazu Ingo Barlovic, Projektleiter der Studie.

www.iconkids.com

 

Bildbeitrag: Was machst du eigentlich in deiner Freizeit? Ich lese dir ein paar Sachen vor, und du sagst mir, wie oft du das ungefähr machst (gestützt – Listenvorlage)
Basis 2016: n=405 6- bis 9-Jährige, Basis 2019: n= 425 6- bis 9-Jährige; Angaben in %

Trend Tracking Kids 2019 – © iconkids & youth

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