"Gen Z" zwischen Selbstsicherheit und Selbstüberschätzung

Studie zeigt Kontraste zwischen dem Anspruch junger Talente und der Wirklichkeit der Unternehmen

Die jungen Talente der so genannten "Gen Z" haben zwar keinen klaren Karriereweg vor Augen, aber dafür alle Trümpfe in ihren Händen und ihre Selbstsicherheit wiedererlangt. Unternehmen stehen derweil vor einem Dilemma: Während der Recruitingbedarf steigt, stagnieren oder sinken die HR-Budgets. Zwei zentrale Erkenntnisse des aktuellen "Karrierebarometers", für das die Karriere- und Recruitingplattform JobTeaser im Sommer knapp 1.000 Studierende und Berufsanfänger sowie 700 Personalverantwortliche befragt hat.

Die nunmehr siebte Umfrage zum "Karrierebarometer" dokumentiert einige spannende Entwicklungen und fördert dabei eine Reihe interessanter Kontraste zu Tage. So geben zwei Drittel (64 Prozent) der Studierenden an, sich um ihre berufliche Zukunft zu sorgen. Fast die Hälfte (46 Prozent) fürchtet, ihr Leben nicht finanzieren zu können. Und nahezu drei Viertel (72 Prozent) haben noch keinen klaren Karriereweg vor Augen.

Diesen Unsicherheiten zum Trotz blickt die Mehrheit der Studierenden (80 Prozent) und mehr noch der Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger (88 Prozent) etwas überraschend optimistisch in die berufliche Zukunft.

Sie sind ehrgeizig, fähig, jung und brauchen das Geld

Wenig überraschend ist hingegen, dass vor allem die wirtschaftliche Unsicherheit die Karriereplanung der "Gen Z" prägt. Ein Viertel der Studierenden (23 Prozent) und ein Drittel der Berufsanfänger (33 Prozent) haben aktuell höhere Erwartungen an ihre Karriereplanung. Für mehr als die Hälfte der Studierenden (54 Prozent) und noch mehr Berufsanfänger (59 Prozent) zählt primär das Gehalt.

Die anspruchsvolle Karriereplanung findet allerdings immer öfter ohne die Unternehmen statt: So plant ein gutes Drittel (36 Prozent) der Berufsanfänger, den aktuellen Arbeitsplatz innerhalb des nächsten Jahres zu verlassen. Als Gründe für den angepeilten Jobwechsel nennen sie vor allem ein besseres Gehalt (54 Prozent), eine bessere Work-Life-Balance (41 Prozent) und mehr Flexibilität bei Remote-/Hybridarbeit und Arbeitszeiten (36 Prozent).

"Gen Z" im strategischen Vorteil

Angesichts des Fach- und Nachwuchskräftemangels ist die "Gen Z" im Vorteil: Jedes zweite Vorstellungsgespräch führt derzeit zu einem Stellenangebot. Für das Gros der Personalverantwortlichen (64 Prozent) ist es hingegen schwierig, überhaupt junge Bewerber zu finden. Fast die Hälfte (46 Prozent) halten das trotz konjunktureller Schwäche der deutschen Wirtschaft für noch schwieriger als im Vorjahr.

"Inzwischen ist die Verunsicherung der 'Gen Z', die wir noch im letzten Karrierebarometer messen konnten, einer neuen Selbstsicherheit gewichen", konstatiert Adrien Ledoux, CEO und Mitbegründer von JobTeaser. "Das Bewusstsein, gebraucht zu werden und die Auswahl zu haben, ist bei den jungen Talenten angekommen."

Unternehmen zwischen Personalnot und Ressourcenmangel

Dennoch planen derweil 43 Prozent der Unternehmen und sogar 48 Prozent der Konzerne, mehr zu rekrutieren als 2022. Ebenfalls 43 Prozent der Unternehmen haben dies in unverändertem Umfang vor. Doch ihre Personalverantwortlichen können nur mit eingeschränkten Ressourcen darauf reagieren. Zugleich stehen sie durch mehr Konkurrenz um eine nicht wachsende Anzahl von jungen Talenten unter Druck. Die Folge ist ein unvermeidbarer Zwang zu mehr Effizienz bei der Ansprache, weil eigentlich jeder Recruiting-Anlauf ein Treffer sein müsste.

Damit einher geht, dass es nur noch die Hälfte der Studierenden für sehr wichtig hält, beim nächsten Job einen unbefristeten Vertrag zu bekommen. Noch im letzten Karrierebarometer" (September 2022) war dies für drei Viertel (73 Prozent) wichtig bis sehr wichtig.

Außerdem sehen sich nur noch 20 Prozent der "Gen Z" in Konzernen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Etablierte Unternehmen (46 Prozent) erhalten aber immer noch den Vorzug vor Startups (28 Prozent).

Brückenbauer und Wegweiser gesucht: Auch Hochschulen in der Pflicht

Bei all dem sind die Unternehmen außerdem mit einem Nachwuchs konfrontiert, der zwar weiß, was er wert ist, doch die eigenen Kenntnisse oft überschätzt. Sowohl bezüglich der zu erwartenden Jobs und Aufgaben (38 Prozent) als auch bei der Einschätzung der eigenen beruflichen Stärken und Schwächen (48 Prozent) sehen die Personalverantwortlichen noch einige Defizite bei den jungen Bewerbern.

Interessanterweise ist sich die "Gen Z" dessen bewusst – und formuliert auch in dieser Hinsicht klare Erwartungen. So braucht sie laut Studie vor allem mehr Vorabinformationen über relevante Jobs (79 Prozent), mehr Austausch mit anderen Berufstätigen (78 Prozent) und mehr Tipps für den Bewerbungsprozess (74 Prozent).

"Ein wichtiger Hinweis für Personalverantwortliche in Unternehmen und die Career Services der Hochschulen gleichermaßen", ordnet Adrien Ledoux die Resultate ein. "Angesichts des Arbeits- und Fachkräftemangels müsste der Berufseinstieg der jungen Talente eigentlich völlig mühelos vonstatten gehen. Doch so einfach ist es leider nicht. Denn trotz konjunktureller Verunsicherung ist der Bedarf an Fach- und Nachwuchskräften unverändert hoch und zueinander zu finden nach wie vor offenbar sehr schwierig", lautet dann auch sein Fazit.

"Natürlich wollen sich Unternehmen nicht für die Erstbesten entscheiden, die dann möglicherweise schnell wieder den Arbeitgeber wechseln. Damit sich der Aufwand und die Suche nach dem passenden Match aber wirklich lohnen, ist es wichtig, dass es für beide Seiten auf Anhieb passt. Und auf lange Sicht. Auch deshalb wird es für die Unternehmen immer wichtiger, schon frühzeitig vor Abschluss des Studiums an den Hochschulen und Universitäten präsent zu sein. Als erkennbare starke Arbeitgebermarke. Mit attraktiven Angeboten. Und mit den Career Centern als Bindeglied zwischen der akademischen Welt und der Welt der Unternehmen."

Den vollständige Report "Gen Z: Ehrgeizig, fähig, jung sucht…" finden Sie hier zum zum Download.