Was Unternehmen der "Generation Y" heute bieten müssen

  1. Was Unternehmen der "Generation Y" heute bieten müssen

Es herrscht "Krieg, ein Krieg um Talente". Ausgetragen wird er zwischen Unternehmen um die knappe Ressource Arbeitskraft. Die Generation der zwischen 1980 und 1995 Geborenen – wahlweise "Millennials" oder "Generation Y" genannt – ist klein, aus einem Arbeitgeber- ist deshalb ein Arbeitnehmermarkt geworden.

Firmen müssen sich heute anstrengen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu qualifizieren. Und die jungen Arbeitnehmer haben sehr konkrete Vorstellungen davon, wie ihr (Arbeits-)Leben aussehen soll. Steffi Burkhart, Keynote-Speakerin bei den "PM-Tagen 2019", gehört selbst zu dieser Generation und gibt Einblicke im Interview.

Was unterscheidet die Generation der zwischen 1980 und 1995 Geborenen von den älteren Jahrgängen? Wie ticken sie und vor allem welche Erwartungen haben sie an ihre Jobs?

Dr. Steffi Burkhart: Im Gegensatz zu unseren Eltern haben wir keine klassische Drei-Phasen-Biografie, sondern Multigrafien. Wir wechseln zwischen Vollzeitfestanstellung, Selbständigkeit, Teilzeitanstellung, Sabbaticals, Auslandsaufenthalten und Branchen. Das World Economic Forum geht davon aus, dass wir rund 6-8 Mal den Job wechseln. Wir leben Zickzack und wollen uns horizontal entfalten, statt uns über Jahre hinweg auf der Karriereleiter nach oben zu arbeiten. Treffen wir woanders ein besseres Arbeitsumfeld an, in dem wir uns besser entwickeln oder mehr erreichen können, dann sind wir ganz schnell weg.

Laut einer Studie ist sogar jeder zweite Mitarbeiter dieser Generation in Festanstellung offen für einen neuen Job. Was sind die Hauptgründe und was können Unternehmen für eine langfristige Mitarbeiterbindung tun?

Burkhart: Aufgrund der demografischen Entwicklung verschiebt sich der Arbeitgebermarkt hin zu einem Bewerbermarkt. Wir haben deshalb die Auswahl zwischen verschiedenen Jobs, sitzen also am längeren Hebel. Arbeitgeber müssen ihre Haltung entsprechend anpassen. Wir haben keine Lust mehr auf schlechte Führung, starre Strukturen, fehlende Experimentierräume, männliche Monokulturen oder ethisch-moralisches Fehlverhalten. Unsere Ansprüche sind hoch, wir suchen nach Arbeitgebern mit einer guten Unternehmenskultur.

"Millenials" gelten einerseits als außerordentlich unausgeglichen, sprunghaft und betreuungsintensiv. Andererseits als gut ausgebildet, lernfähig und vor allem teamorientiert. Letzteres klingt nach einer guten Voraussetzung für eine Karriere im Projektmanagement …

Burkhart: Wir bringen in jedem Fall einen völlig neuen Mindset in die Unternehmen, sind kollaborativ und interaktiv. In der Hochschule wird heute oft in Projekten gearbeitet, sodass wir gemeinsames Arbeiten und Ergebnisse liefern gelernt haben. Als Gegenargument wird gerne genannt, dass wir unsere eigene Karriere in den Mittelpunkt stellen, was gegen das Arbeiten im Team spricht. Dennoch besitzt unsere Generation ein großes Wir-Gefühl. Wir arbeiten gerne auf Augenhöhe und erwarten deshalb flache Hierarchien. Was Führung bedeutet und wie Führung geht, müssen wir erst lernen. Schon deshalb, weil in Projekten heute jeder einmal die Führung übernehmen muss.

Gerade wird viel über die sogenannten Helikopter-Eltern diskutiert, die ihre Kinder keinen Schritt allein machen lassen und ihr Leben bis ins Kleinste kontrollieren. Wie werden sich diese gedrillten, verwöhnten, überbehüteten Kinder später im Berufsleben zurechtfinden beziehungsweise worauf müssen sich Unternehmen da einstellen?

Burkhart: Sie haben in der Regel eine geringe Frustrationstoleranz und wenig Geduld. Zudem müssen sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, weil viele Eltern ihre Kinder in Watte packen. Meiner Ansicht nach muss bereits die Schule jungen Menschen bei der Entwicklung helfen, wenn bestimmte Kompetenzen im Elternhaus nicht vermittelt werden. Und wenn es die Schule nicht schafft, dann liegt es an den Unternehmen. Ich rate dazu, einen eigenen Bildungscampus einzurichten und junge Leute gezielt zu schulen. Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht.

Kurzbiografie

Dr. Steffi Burkhart ist das Sprachrohr der Generation Y. Ihre Vision ist es, Menschen zu inspirieren und Impulse zu setzen, um den spürbaren Wandel der Arbeitswelt aus der Sicht der Generation Y zu gestalten. Als ehemalige Hochleistungssportlerin promovierte sie in Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Gesundheitspsychologie an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit 2015 fungiert Dr. Burkhart als eine professionelle Speakerin, Autorin und Beraterin zu den Themen Generationenmanagement, Talent Management, Führung und Management und Unternehmenskultur 2.0.

Die Tiba Managementberatung hat sich auf Beratung und Training rund um das Thema Projekt, Prozess- und Change Management spezialisiert. Zu den Kunden der Tiba zählen Unternehmen aus den Branchen Pharma, Automotive, Logistik, Energieversorgung, Finanzdienstleistung, Luft- und Raumfahrt, Maschinen- und Anlagenbau sowie IT und Telekommunikation.

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