Vier von zehn Jugendlichen kaufen mehr Bio- als konventionelle Lebensmittel

PwC-Umfrage: Vor allem für Jugendliche und junge Erwachsene spielen Bio-Lebensmittel eine große Rolle. 40% der 18-bis 24-Jährigen kaufen mehr Bio- als konventionelle Lebensmittel.

Biolebensmittel erfreuen sich immer größerer Beliebtheit: Bei jedem vierten Bundesbürger (24 Prozent) landen nach eigener Einschätzung mittlerweile mehr Biolebensmittel als konventionelle Produkte im Einkaufskorb – 2017 waren es noch 14 Prozent. Der Anteil bei den 18- bis 24-Jährigen beträgt sogar 40% (2017: 16%) und bei den 25- bis 34-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 45% (2017 waren es erst 14%).

Der Anteil an Bio-Verweigerern hat sich in diesem Zeitraum halbiert: Nur jeder Zehnte (11 Prozent) kauft gar keine Bioprodukte (2017: 21 Prozent). Bei den 18- bis 24-Jährigen sind es 7% (2017: 11%) , bei den 25- bis 34-Jährigen nur 4% (2017: 17%). Vor allem bei den jungen Erwachsenen hat sich hier also sehr viel getan.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Befragung von PwC Deutschland unter 1.000 Bundesbürgern über 18 Jahren.

"Immer mehr Menschen achten auf ihre Ernährung und entscheiden sich bewusst für den Kauf von Bioprodukten. Dafür sprechen längst nicht mehr nur gesundheitliche Gründe und eine artgerechtere Tierhaltung. Die höhere Umweltfreundlichkeit ist zu einem der Hauptargumente für den Kauf von Biolebensmitteln geworden", kommentiert Dr. Christian Wulff, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland.

Obst, Gemüse, Fleisch und Milch gerne in Bioqualität

Dabei hängt es auch vom Alter und der Lebenssituation ab, wie hoch der Anteil der Bioprodukte im Einkaufswagen ist: In Haushalten, in denen Kinder leben, kommt Essen mit Bio-Siegel zum Beispiel deutlich häufiger auf den Tisch. 42 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe greifen eher zu biologisch angebauten Nahrungsmitteln als zu konventionell erzeugten.

Besonders bei Obst und Gemüse bevorzugen knapp zwei Drittel (64 Prozent) aller Bundesbürger Bioqualität. Aber auch bei Fleisch- und Wurstwaren sowie bei Molkereiprodukten ist der Anteil der Bio-Käufer in den vergangenen vier Jahren um ein Drittel gestiegen – und liegt nun bei knapp der Hälfte (48 Prozent).

Am Onlinekauf von Bioprodukten scheiden sich die Geister

Um ihren Bedarf an Waren aus biologischem Anbau zu decken, kaufen die Deutschen am häufigsten im Supermarkt (68 Prozent) ein. Jeder Zweite geht hierfür zum Discounter. Der Kauf von Produkten mit Bio-Siegel im Onlinehandel stößt dagegen auf ein geteiltes Echo: Lediglich 7 Prozent bestellen ihre Biolebensmittel online. Für weitere 41 Prozent käme dies grundsätzlich in Frage, während für 42 Prozent ein Onlinekauf von ökologisch hergestellten Lebensmitteln eher kein Thema wäre.

Quelle: PwC Deutschland

Die Vorbehalte gegenüber dem Onlinekauf von Biolebensmitteln sind unterschiedlich: Drei Viertel finden, dass das Angebot an biologisch angebauten Produkten im stationären Handel ausreicht und es deshalb gar nicht notwendig ist, die Produkte online zu beziehen. 69 Prozent sind der Meinung, dass frische Produkte aus ökologischem Anbau bei einem Onlineversand mehr Qualitätseinbußen erleiden als herkömmliche Produkte. Fast ebenso viele (68 Prozent) empfinden den Onlinehandel von Bioprodukten als eher umweltbelastend und damit unpassend für ökologisch hergestellte Lebensmittel.

Anders sehen es die 18- bis 24-Jährigen. Hier liegt der Anteil der Online-Besteller schon bei 14%, für 57% käme der Onlineeinkauf in Frage. Bei den 25- bis 34-Jährigen haben schon 17% online bestellt und für 62% käme der Onlinekauf in Frage.

Gesundheit spricht für Bio, Preis für konventionelle Produkte

Während das wichtigste Argument für Bio der Wunsch nach einer ausgewogenen und gesunden Ernährung ist, spricht aus Sicht der Konsumenten vor allem der Preis für das konventionelle Produkt – das sagt knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent). Das Preisargument hat im Vergleich zu 2017 jedoch an Zugkraft verloren: Damals gaben 63 Prozent an, dass sie sich aus Kostengründen für das konventionelle Produkt entscheiden.

Die Bereitschaft, einen Aufpreis für nachhaltige Lebensmittel zu zahlen, hängt dabei stark vom Produkt und dem jeweiligen Preisunterschied ab: Für einen Liter Bio-Milch würde die Hälfte der Befragten im Durchschnitt bis zu 1,45 Euro bezahlen – und damit 61 Prozent mehr als für konventionelle Milch.

Anders sieht es beim Thema Fleisch aus, wo die Preisunterschiede im Handel schwerer wiegen: Zwar wäre knapp die Hälfte bereit, für ein Bio-Hähnchenbrustfilet mehr zu bezahlen. Allerdings dürften 250 Gramm Bio-Geflügel im Durchschnitt nur maximal 3,91 Euro kosten. Bei einem tatsächlichen Marktpreis von 7,35 Euro greift nur jeder Fünfte (21 Prozent) zur Bio-Variante.

Gütesiegel haben Einfluss auf die Kaufentscheidung

Beim Einkauf spielen für die Verbraucher zudem Gütesiegel eine immer wichtigere Rolle: Zwei Drittel halten solche Siegel für wichtig; 59 Prozent geben an, dass Gütesiegel ihre Kaufentscheidung beeinflussen. Vor vier Jahren lag dieser Wert noch bei 47 Prozent.

"Ein Gütesiegel auf Bioprodukten schafft einen zusätzlichen Kaufanreiz", erläutert Christian Wulff. "Händler und Hersteller haben viel investiert, um die Anforderungen für ein entsprechendes Zertifikat einzuhalten. Mit Erfolg: Das Vertrauen in Gütesiegel auf Bioprodukten ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen", so der PwC-Experte weiter. Allerdings gibt es weiterhin Vorbehalte: 55 Prozent der Deutschen geben an, den Qualitätssiegeln zu vertrauen (2017: 44 Prozent) – knapp jeder Zweite steht ihnen skeptisch gegenüber.

Fast jeder Zweite zweifelt an Angaben zur Umweltbelastung

Vegan oder glutenfrei? Die große Mehrheit der Verbraucher schenkt auch den Informationen und Kennzeichnungen der Lebensmittel große Beachtung. Besonders interessiert die Befragten, woher ein Produkt stammt und welche Nährwerte oder allergenen Inhaltsstoffe es enthält. Die Mehrheit der Befragten vertraut darauf, dass diese Informationen der Wahrheit entsprechen. Kritischer sehen die Verbraucher die Angaben zur Nachhaltigkeit, etwa zur Umweltbelastung der Produkte. An der Richtigkeit dieser Angaben hegt fast jeder Zweite (44 Prozent) Zweifel.

"Die Verbraucher haben ein steigendes Interesse daran, im Detail zu erfahren, unter welchen Bedingungen ihre Lebensmittel produziert wurden und welche Auswirkungen die Herstellung auf Mensch und Umwelt hat. Es ist Aufgabe von Erzeugern und Einzelhandel, diesem Informationsbedürfnis noch besser gerecht zu werden", so das Fazit von Mirjam Kolmar, Nachhaltigkeitsexpertin bei PwC in Deutschland.

Methodik

Die aktuelle Studie "Bio im Aufwind" fasst die Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung mit 1.000 Teilnehmern ab 18 Jahren zusammen, die zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 befragt wurden. Die Vergleichszahlen zu 2017 stammen aus der gleich angelegten Befragung "Bio vs. konventionell", die im Januar 2017 erschienen ist.

Weitere Informationen und die Studien finden Sie unter www.pwc.de/Bio-Studie.