Der Kakao ist verschüttet, das Lieblingskuscheltier nicht mehr auffindbar oder die Möbel mit Filzstift bemalt – ganz normales Familienleben. Doch bei einem scheinbar harmlosen Missgeschick reagiert fast jeder 2. Elternteil oft oder manchmal gereizt. Mehr als jedes 10. Elternteil sogar oft. Der Alltag mit Kindern ist voller Herausforderungen und gleicht einer emotionalen Achterbahnfahrt.
Die Hälfte der Eltern kennt das Gefühl, den eigenen Anforderungen nicht gerecht zu werden. Entsprechend viele sehnen sich nach Pausen vom eigenen Familienalltag: 2/3 der Mütter und mehr als die Hälfte der Väter in Deutschland wünschen sich regelmäßig eine Auszeit von ihren Kindern. Vor allem Eltern unter 30 Jahren mit kleinen Kindern äußern diesen Wunsch besonders häufig. 62 % der 18- bis 29-Jährigen möchten auch mal Zeit ohne ihre Kinder verbringen.
In der „Generation Z“ ist das Gefühl der Überforderung weit verbreitet: 47 % der jungen Eltern zweifeln regelmäßig an ihrer Eignung als Mutter oder Vater. „Gerade junge Eltern haben heute oft den Anspruch, alles perfekt zu machen – sie messen sich an einem Ideal, das im chaotischen Familienalltag kaum erreichbar ist. Wer das Gefühl hat, ständig zu scheitern, beginnt irgendwann an sich zu zweifeln und stellt manchmal sogar die eigene Eignung als Mutter oder Vater in Frage“, sagt Nina Grimm, Familienpsychologin für die Pronova BKK.
Emotionale Erschöpfung ist in vielen Familien Alltag
Zweifel an der eigenen Erziehungsfähigkeit haben vor allem die Mütter: Fast jede 2. stellt ihre Eignung als Mutter regelmäßig in Frage – bei den Vätern ist es nicht einmal jeder 3. Ein möglicher Grund: Mütter fühlen sich deutlich häufiger allein gelassen. 58 % bemängeln eine fehlende Unterstützung durch Partner oder Familie – bei den Vätern sind es nur 37 %. „Viele Eltern, vor allem Mütter, funktionieren über lange Zeit weiter, obwohl die inneren Warnsignale längst da sind“, warnt Psychologin Grimm. Erste Anzeichen seien Gereiztheit, Rückzugsbedürfnis und emotionale Leere. „Spätestens wenn Eltern merken, dass sie nur noch funktionieren und kaum noch in echten Kontakt mit sich selbst oder ihrem Kind kommen, ist es Zeit, innezuhalten.“
55 % der Mütter schätzen ihr Burnout-Risiko als mittelhoch ein
Dauerhafte mentale Belastung kann im schlimmsten Fall zu einem erhöhten Burnout-Risiko führen. 16 % der befragten Eltern stufen ihre Gefährdung als hoch ein, weitere 35 % als mittel. Besonders häufig betroffen sind Mütter: Mehr als jede 2. sieht sich zumindest mäßig gefährdet – bei den Vätern sind es 46 %. Auch das Alter spielt eine Rolle: 1/3 der 46- bis 60-jährigen Eltern sieht sich gar nicht gefährdet, bei den 18- bis 30-Jährigen gilt das nur für 16 %.
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Wertschätzung ist ein Schutzfaktor für die psychische Gesundheit von Eltern
Die Studie zeigt auch: Mehr als jeder 2. Elternteil hat das Gefühl, dass seine Rolle als Mutter oder Vater von anderen nicht ausreichend gewürdigt wird. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 58 %. Grimm führt die mangelnde Wertschätzung auf ein gesellschaftliches Muster zurück. „Elternschaft wird oft als selbstverständlich angesehen, das scheinbar mühelos nebenbei funktioniert. Vor allem die unbezahlte Care-Arbeit, die nach wie vor überwiegend von Müttern geleistet wird, bleibt gesellschaftlich und finanziell weitgehend unsichtbar.“
Dabei kann ein dauerhafter Mangel an Anerkennung erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben. Das bestätigt auch die Studie: 60 % aller Befragten machen sich große Sorgen, bei der Erziehung ihrer Kinder etwas falsch zu machen. Bei den Eltern der „Gen Z“ sind es sogar 68 %, bei den Müttern über alle Altersgruppen hinweg sind 65 %.
Über die Studie
Für die Studie wurden 2.000 Mütter und Väter ab 18 Jahren mit mindestens einem eigenen Kind unter 16 Jahren im Haushalt im März 2025 repräsentativ online befragt. Die Studie gibt einen Einblick, wie Mütter und Väter ihre Rolle in der Familie wahrnehmen, welche Erziehungsstile und -ziele sie haben, wie es um ihre psychische Gesundheit bestellt ist und wie die Ernährung in Kindergärten und Schulen gesehen wird.