“Jugendwort” 2017: “I bims”

Gerade wurde “I bims” zum “Jugendwort des Jahres” gewählt – aber wer spricht so?

Immer wieder tauchen Sprachphänomene auf wie “vong”, “I bims” oder “Was ist das für 1 Life?”, die gerade in den sozialen Medien häufig anzutreffen sind. Aber spricht die Jugend wirklich so? Und finden Jugendliche es eigentlich okay, wenn in der Werbung so gesprochen wird? Dazu ist eine aktuelle Studie erschienen.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass über die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) diesen ursprünglichen “Nischen-Sprachhype” bereits wahrgenommen hat. Bei den unter 25-Jährigen sind es sogar vier von fünf (81 Prozent). 59 Prozent der Kenner dieser Sprache zeigen sich jedoch davon genervt.

Trotz allem versuchen Unternehmen oft, durch die Verwendung dieser Jugend- und Internetsprache jünger und cooler zu wirken. Grundsätzlich kann eine unpassende Kommunikation aber nach hinten losgehen, denn 42 Prozent der Deutschen haben schon einmal ein Produkt nicht gekauft, weil sie die Werbeslogans als nervig oder unlustig empfunden haben. Dies zeigt die YouGov Studie „Internetsprache in der Werbung“.

Für die Studie wurde auf die 100.000 Datenpunkte umfassende YouGov-Datenbank zugegriffen, für die im Jahresverlauf 70.000 Deutsche kontinuierlich repräsentativ befragt werden. Kombiniert wurde die Analyse mit einer zusätzlichen bevölkerungsrepräsentativen Befragung von 2.000 Personen (18+), die vom 20.10. bis 25.10.2017 durchgeführt wurde.

“Jugendwort des Jahres”

Zum zehnten Mal rief der Langenscheidt Verlag zur Wahl des Jugendworts des Jahres auf. Zwischen Anfang Oktober und Mitte November 2017 konnten alle Sprachinteressierten sechs Wochen lang über die Top 30 abstimmen. Über eine Million Votings hat der Verlagnach eigenen Angaben in diesem Jahr gezählt. Die Kriterien für die Top 30 sind Originalität, Kreativität, Verbreitung sowie kulturelle, gesellschaftliche und zukünftige Relevanz.

Entscheidend sind aber nicht die Votings der Jugendlichen selbst, sondern letztenendes entscheidet eine 20-köpfige Jury aus Jugendlichen, Medienvertretern und einem Sprachwissenschaftler, die jährlich neu zusammengestellt wird.

Die Wahl war diesmal nicht einfach, so der Langenscheidt Verlag – es wurde angeregt diskutiert und analysiert bis für das Gremium “I bims” als Gewinnerwort feststand. Diese Wortschöpfung bedeutet “Ich bin” oder “Ich bin’s”.

Der Juror Markus Kunzmann, Doktorand der Germanistischen Linguistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, begründet seine Entscheidung so: “‘I bims’ ist für mich der klare Sieger, weil diese Fügung sehr frequent in der gesprochenen und mehr noch in der geschriebenen Sprache vorkommt.”

Viele Experten bezweifeln, dass das “Jugendwort des Jahres” wirklich die Sprache der Jugendlichen wiederspiegelt. Die 17-jährige Schülerzeitungschefredakteurin Mathilde Mahrenholtz, die auch in der Jury war, meint hingegen: “‘Meine Freunde und ich nutzen ‘I bims’ sehr häufig. Es repräsentiert meiner Meinung nach die Jugendsprache des Jahres 2017 am besten.”

Laut den Veranstaltern blieb die Wahl “spannend bis in die letzten Minuten des zweiten Wahlgangs”. Hier mussten die Juroren aus den Top 5 das finale Gewinnerwort ermitteln. In den Top 5 waren auch “napflixen” (ein Nickerchen machen und dabei einen Film laufen lassen), “Noicemail” (nervige Sprachnachricht), “schatzlos” (single) und “unlügbar” (definitiv, unbestritten).

Wahl wird durch Social Medie beeinflusst

Die Wahl des “Jugendworts” wurde dieses Jahr besonders stark von Social Media-Stars beeinflusst. Vor allem dem Comedia Phil Laude und dem Rapper “Money Boy” werden starke Einflüsse auf die Entwicklung der “vong”- und “I bims”-Sprache nachgesagt.

Im vergangenen Jahr lag bei den Nutzern der Begriff “isso” vorne, der als Zustimmung oder Unterstreichung von etwas genutzt wird. Die Jury entschied sich aber für “fly sein”, einen Begriff aus der Hip-Hop-Szene, der so viel heißt wie: jemand oder etwas “geht besonders ab”.

Auch 
2015 traf die Jury eine andere Entscheidung als die Teilnehmer. In der Onlineabstimmung lag noch das Verb “merkeln” vorn, Jugendsprache für “nichts tun, keine Entscheidung treffen”. Die Jury entschied sich aber für “Smombie”, ein Kunstwort aus Smartphone und Zombie. Ein Smombie ist jemand, der auf sein Smartphone starrt und deswegen von seiner Umwelt nichts mitbekommt.

Eines ist klar – für den Langenscheidt Verlag ist es eine prima Werbeaktion. Die witzigsten Reaktionen auf Twitter finden Sie hier.