Junge Menschen weltweit blicken trotz wachsender Klimaängste hoffnungsvoll in die Zukunft. Viele fühlen sich jedoch nicht ausreichend vorbereitet, um aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Das zeigt die Studie “ Youth perspectives on climate: Preparing for a sustainable future“ des Capgemini Research Institute in Zusammenarbeit mit der UNICEF-Initiative „Generation Unlimited“.
Die Studie beleuchtet die Sichtweise junger Menschen auf die Klimakrise, ihre Einstellung zu grünen Kompetenzen und ihre Erwartungen an Politik und Wirtschaft. Junge Menschen sowohl im globalen Süden als auch im globalen Norden wollen Teil der Lösung sein. Die meisten von ihnen sind daran interessiert, die Umweltpolitik mitzugestalten – viele wollen einen grünen Beruf ausüben, doch die Studienergebnisse weisen auf einen besorgniserregenden Mangel an erforderlichen grünen Kompetenzen hin.

Mehr als zwei Drittel der befragten Jugendlichen weltweit äußern Sorgen über die Auswirkungen des Klimawandels auf ihre Zukunft – ein signifikanter Anstieg im Vergleich zu 2023, als eine UNICEF-Umfrage in den USA ergab, dass 57 Prozent der Jugendlichen weltweit unter sogenannter „Öko-Angst“ leiden.[1] Besonders groß ist diese Angst im globalen Norden (76 Prozent) im Vergleich zum globalen Süden (65 Prozent). Auch zwischen Stadt und Land zeigen sich Unterschiede: Während 72 Prozent der Jugendlichen in urbanen Räumen besorgt sind, sind es in ländlichen Regionen nur 58 Prozent.
Klimasorgen nehmen zu – doch der Wille zur Veränderung ist stark
Trotz dieser Sorgen überwiegt der Glaube an Veränderung: 61 Prozent der Jugendlichen sind überzeugt, dass grüne Kompetenzen[2] ihnen neue berufliche Chancen eröffnen. Besonders im globalen Norden zeigt sich ein starkes Interesse an grünen Berufen – hier äußern fast zwei Drittel (64 Prozent) den Wunsch, in einem nachhaltigen Job zu arbeiten – im Vergleich zu 53 Prozent weltweit.
Weitere interessante News:
Unternehmen: Ausbildung nicht fit für die Zukunft
Jugendstudie: Mentale Belastung statt Leichtigkeit
Studie: Ein Viertel der Jüngeren nutzt zu viel Social Media
„Junge Menschen sind sich der dringenden Herausforderungen des Klimawandels sehr bewusst – und sie wollen aktiv zur Lösung beitragen“, betont Katharina Latif, Senior Director, Sustainable Futures bei Capgemini Invent in Deutschland.“Wir müssen sie dabei unterstützen, ihre Leidenschaft in konkrete Fähigkeiten zu verwandeln. Unternehmen, Regierungen und Bildungseinrichtungen müssen gemeinsam daran arbeiten, die Qualifikationslücke zu schließen und jungen Menschen echte Perspektiven im grünen Arbeitsmarkt zu bieten.“
Auch Dr. Kevin Frey, CEO, Generation Unlimited bei UNICEF, unterstreicht die Bedeutung junger Stimmen: „Junge Menschen entwickeln Lösungen für den Klimaschutz. Sie entwerfen und implementieren innovative Lösungen, die auf die klimatischen Herausforderungen ihrer Gemeinden reagieren. Green Rising unterstützt mit seinem Ökosystem aus Partnern aus dem öffentlichen und privaten Sektor Jugendliche mit den Fähigkeiten und Möglichkeiten, die sie benötigen, um Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen, grüne Unternehmen zu gründen, Zugang zu grünen Arbeitsplätzen zu erhalten und grüne Lösungen voranzutreiben.“
Der Jugend fehlen die notwendigen grünen Kompetenzen
Junge Menschen stellen zwar ein enormes Potenzial für die Bewältigung der Klimakrise dar – doch der grüne Wandel erfordert gezielte Qualifikationen. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beruhen Kompetenzen im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament, einem fundierten Verständnis des Klimawandels, einem ausgeprägten Umweltbewusstsein sowie der Fähigkeit und Motivation, nachhaltiges Handeln zu erklären und umzusetzen.[3]
Die Studie zeigt jedoch: Weniger als die Hälfte der Jugendlichen weltweit (44 Prozent) glaubt, über die nötigen grünen Kompetenzen zu verfügen, um in der heutigen Arbeitswelt erfolgreich bestehen zu können. Besonders groß ist die Lücke in ländlichen Regionen, wo junge Menschen im Vergleich zu ihren Altersgenossen in städtischen und vorstädtischen Gebieten deutlich schlechter abschneiden. Die Ergebnisse zeigen aber auch deutliche Unterschiede: Zum einen zwischen Nord und Süd, zum anderen aber auch innerhalb dieser Hälften. So unterscheiden sich die Antworten zwischen Polen (78 Prozent) und Deutschland (41 Prozent), aber auch zwischen Brasilien (60 Prozent) und Äthiopien (5 Prozent).
Besorgniserregend ist zudem, dass sich das Wissen über grüne Fähigkeiten in mehreren Ländern des globalen Nordens seit der Capgemini-Studie[4] von 2023 verschlechtert hat. Unter den 16- bis 18-Jährigen in Australien, Frankreich, Deutschland, Japan, dem Vereinigten Königreich und den USA zählen Recycling und Abfallvermeidung weiterhin zu den am häufigsten genannten Kompetenzen. Das Wissen über nachhaltiges Design, erneuerbare Energien und umweltfreundliche Mobilität ist hingegen deutlich zurückgegangen.
Im globalen Süden verfügen Jugendliche vor allem über Kenntnisse in den Bereichen Recycling, Energie- und Wassereinsparung. Deutlich weniger vertraut sind sie hingegen mit Klimatechnologien, Datenanalyse oder nachhaltigem Design – Fähigkeiten, die für die grüne Transformation zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Die Kluft zwischen Generationen muss überwunden werden, um Lösungen zu finden
Die Mehrheit der Jugendlichen weltweit (71 Prozent) ist überzeugt, dass sie eine starke Stimme in der Umweltpolitik und -gesetzgebung haben sollte. Gleichzeitig empfinden viele von ihnen, dass politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger ihrer Verantwortung nicht ausreichend nachkommen. Zwar zeigen sich fast zwei Drittel der Jugendlichen bereit, mit lokalen Entscheidungsträgern über Klimaschutzmaßnahmen zu sprechen – doch weniger als die Hälfte glaubt, dass ihre Meinung tatsächlich gehört wird.
Die vollständige Studie finden Sie hier.
Methodik
Im Februar und März 2025 führte das Capgemini Research Institute eine umfassende Untersuchung zu den Perspektiven junger Menschen in Bezug auf den Klimawandel und ihr Interesse an grünen Kompetenzen und grünen Arbeitsplätzen durch. Sie führten eine Online-Umfrage unter 5.100 Jugendlichen im Alter von 16 bis 24 Jahren in 21 Ländern in Afrika, Nord- und Südamerika, Asien-Pazifik und Europa durch. Darunter waren 4.394 Jugendliche im Alter von 18 bis 24 Jahren und 706 Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren. Für die 14 Prozent der Stichprobe, die minderjährig waren (<18 Jahre), wurde die elterliche Erlaubnis von 706 Eltern eingeholt. Die Mehrheit (83 Prozent) der befragten Jugendlichen lebt im globalen Süden (Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen).[5] Die übrigen befragten Jugendlichen leben im Globalen Norden oder in Ländern mit hohem Einkommen.
[1] UNICEF USA, „Von der Öko-Angst zum Öko-Optimismus – einer Generation widerstandsfähiger Jugendlicher zuhören“, Januar 2023.
[2] Grüne Kompetenzen beziehen sich auf die Hard- und Soft Skills, die den Menschen helfen, sich um die Natur zu kümmern, die Umweltverschmutzung zu stoppen und die Ressourcen vernünftig zu nutzen.
[3] OECD, Skills Outlook 2023: Skills for a resilient green and digital transition, November 2023.
[4] CRI, Digital skills and technology in secondary education survey, März 2023
[5] Bankgruppe, Einkommensklasse, entsprechend dem Bruttonationaleinkommen (BNE) pro Kopf im Jahr 2023, berechnet nach der Weltbank-Atlas-Methode.