Eine neue KPMG-Studie zeigt: 46 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten nutzen KI bereits häufig bei Kaufentscheidungen. Mit Agentic Commerce geht der digitale Einkauf nun einen Schritt weiter: KI-Agenten könnten Produkte recherchieren, Preise vergleichen, eine Vorauswahl treffen, Kaufentscheidungen vorbereiten und sogar Käufe abschließen.
Interessant: über die Altersgruppen hinweg ist die Nutzung bei den unter 25-Jährigen mit 33% am niedrigsten, während die 45-54-Jährigen mit 52% den höchsten Wert erreichen
Agentic Commerce, Einsatz von KI-Agenten im Online-Einkauf, wird sich aus Sicht der Konsument:innen voraussichtlich schrittweise entwickeln. Eine Mehrheit zeigt sich offen für den Einsatz von KI im Einkauf und nutzt entsprechende Anwendungen bereits heute. Die Bereitschaft, den gesamten Einkaufsprozess an einen KI-Agenten zu übertragen, bleibt jedoch begrenzt. Akzeptiert wird vor allem Unterstützung bei Recherche, Produktvergleich und der Bewertung von Alternativen. Dies zeigt der aktuelle „KPMG Consumer Snapshot 03/2026“, den das EHI Retail Institute im Auftrag von KPMG durchgeführt und ausgewertet hat.
Recherche und Vergleich als wichtigste Einsatzfelder
46 Prozent haben in den vergangenen zwölf Monaten häufig oder sehr häufig KI bei Kaufentscheidungen eingesetzt, dabei können sich 73 Prozent der Befragten vorstellen, einen KI-Agenten für den Vergleich von Produkten, Preisen oder Angeboten zu nutzen. Hier zeigen sich Unterschiede zwischen den Befragten: Männer nutzen KI bei Kaufentscheidungen etwas häufiger als Frauen, und im städtischen Raum ist die Nutzung deutlich stärker verbreitet als in ländlichen.
KI-Akzeptanz abhängig von Einkaufssituation
Auch die konkrete Einkaufssituation beeinflusst, wofür Konsument:innen einen KI-Agenten einsetzen würden. Das zeigt sich besonders am Beispiel des Smartphones: Obwohl die Produktauswahl mit einem hohen finanziellen Risiko und einem großen Rechercheaufwand verbunden ist, würden sich 72 Prozent bei der Informationssuche durch einen KI-Agenten unterstützen lassen. Geht es dagegen um einen verbindlichen Schritt wie die Bezahlung, sinkt die Bereitschaft deutlich auf 45 Prozent. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Konsument:innen KI-Agenten heute vor allem zur Recherche und Orientierung nutzen möchten, während sie die Kontrolle über abschließende und schwer korrigierbare Schritte eher selbst behalten wollen.
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Risiken und Herausforderungen
Die Übertragung von Einkaufsaktivitäten an KI-Agenten wirft aus Sicht der Konsument:innen erhebliche Fragen auf. Als größte Risiken gelten die systematische Bevorzugung bestimmter Händler und die unerwünschte Nutzung von Daten aus Suchkriterien, persönlichen Präferenzen und der Bezahlabwicklung. Hinzu kommen unzuverlässige Informationen, ungeeignete Produktempfehlungen und der mögliche Verlust der Kontrolle über den Kaufprozess. Händler- und Hersteller-KI steht dabei vor einer besonderen Vertrauensaufgabe: 64 Prozent bevorzugen allgemeine generative KI, wenn es um Objektivität und Unabhängigkeit von kommerziellen Interessen geht, während nur 7 Prozent Händler- oder Hersteller-KI bevorzugen.
Vertrauen entsteht durch Transparenz
79 Prozent wollen jederzeit selbst eingreifen und Entscheidungen übernehmen können, während 74 Prozent selbst festlegen möchten, welche persönlichen Daten der KI-Agent nutzt. Für 72 Prozent gehört die Möglichkeit, Regeln, Budgets und Ausschlusskriterien festzulegen, zu den zentralen Voraussetzungen. Zudem wünschen sich 67 Prozent Transparenz darüber, ob Anbieterinteressen bei Empfehlungen berücksichtigt werden.
Agentic Commerce kann sich nachhaltig etablieren, wenn KI-Agenten einen erkennbaren Nutzen bieten, Empfehlungen verständlich begründen und ihre Handlungen transparent, kontrollierbar und korrigierbar bleiben. Die weitere Entwicklung wird daher weniger durch die maximal mögliche Autonomie der Systeme bestimmt als durch klare Regeln der Entscheidungsteilung.
Markenpräferenz spielt Nebenrolle
Bei der Auswahl, Vorbereitung oder Abwicklung einer Kaufentscheidung durch einen KI-Agenten sehen Konsument:innen Produktqualität, günstigster Preis sowie Seriosität und Vertrauenswürdigkeit von Händler und Produkt an erster Stelle. Der schnelle, verständliche Überblick über die wichtigsten Produktinformationen liegt ebenfalls auf einem der vorderen Ränge, während Kundenbewertungen, kurze Lieferzeit und die Schnelligkeit des Einkaufsprozesses nachrangig bewertet werden. Nachhaltigkeit, die Berücksichtigung einer grundsätzlichen Markenpräferenz und die Schnelligkeit des Einkaufsprozesses gehören zu den am wenigsten priorisierten Kriterien. Nachhaltigkeit und Markenpräferenz werden im direkten Vergleich der abgefragten Kriterien seltener unter den wichtigsten Aspekten genannt.
Die neue Fokusstudie gibt es hier zum kostenfreien Download. Die Digitalversion des Consumer Snapshots gibt es als kostenfreies Abonnement.