Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Jugendliche Top-Thema

Wie leben junge Menschen heute? Was ist ihnen wichtig und wie zufrieden sind sie mit den verschiedenen Lebensbereichen? Welche Vorstellungen haben sie von Beruf, Partnerschaft, Familie und der Gesellschaft? Was brauchen sie, um ihre Lebensentwürfe zu verwirklichen? Und was erwarten sie von der Politik?

Das untersucht die Studie „Lebensentwürfe junger Frauen und Männer in Bayern“. Zwar wurden für die Studie nur Jugendliche und junge Erwachsene aus Bayern befragt, dennoch kann die Studie Trends für ganz Deutschland aufzeigen. So zeigt sich, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein wichtiges Top-Thema für junge Leute ist, das politsiche Interesse hält sich vor allem bei Frauen in Grenzen.

Die Studie des BayernForums der Friedrich-Ebert-Stiftung wurden vom  infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH bei einer bayernweiten repräsentativen Bevölkerungsbefragung aus einer Auswahlstichprobe von 7.003 Menschen zwischen 18 und 40 Jahren 724 Interviews durchgeführt.

Die jungen Frauen und Männer wurden gefragt, wie sie ihr Leben gestalten, wo sie sich in verschiedenen Bereichen des Lebens sehen, wie zufrieden sie sind und welche Wünsche und Vorstellungen sie für ihre Zukunft haben. Die realisierte Stichprobe entspricht der Grundgesamtheit vor allem in der Verteilung der Merkmale Geschlecht, Alter, Schulbildung und Gemeindegrößenklasse. 18% der Befragten gaben einen Migrationshintergrund an.

Die wichtigsten Ergebnisse

Die wahrgenommene Unvereinbarkeit von Beruf und Familie zieht sich wie ein roter Faden durch alle Antworten unserer Befragten: Die jungen Menschen in Bayern, Männer wie Frauen, wollen eine eigene Familie mit Kindern. Und sie wollen erwerbstätig sein. Gleichzeitig sehen sie sich vor großen Hürden, möchten sie diesen Lebensentwurf realisieren und fühlen sich gezwungen, entweder bei der Familie oder im Beruf Abstriche zu machen.

Frauen sind deutlich unzufriedener hinsichtlich ihrer Erwerbstätigkeit als Männer, insbesondere in den Bereichen Einkommen und Altersvorsorge. Frauen  mit Kindern reduzieren ihre Arbeitszeit und erkaufen sich damit Zeit für ihre Familie. Das verringert den Stress und das schlechte Gewissen gegenüber der Familie. Verdienstunterschiede nehmen sie in Kauf. Sie fordern ein partnerschaftliches Lebensmodell, in der Realität scheint dieses aber nicht einfach umsetzbar zu sein.

Auch bei den Männern ist der Spagat zwischen Beruf und Familie angekommen: Über die Hälfte hat den Eindruck wegen der Arbeit käme die eigene Familie zu kurz. Längere Elternzeiten scheuen sie, weil ihnen „Steine in den Weg gelegt werden“, wenn sie länger unterbrechen.Sie bleiben bei ihren Arbeitszeiten, verdienen mehr Geld, sind aber unzufrieden mit ihrer Rolle in der Familie.

Sie sehen sich oft als verantwortlicher Haupternährer, wollen aber gleichzeitig eine Partnerin, die finanziell auf eigenen Füßen steht. Sie wünschen sich mehr Zeit für Familie, Partnerschaft und Freizeit, reduzieren aber gleichzeitig ihre Arbeitszeit nicht und übernehmen wenig der anfallenden Hausarbeit.

Andere Arbeitszeiten gewünscht

Ein großer Teil der jungen Menschen wünscht eine Arbeitszeit, die eher vier statt fünf Tage in der Woche umfasst. Arbeiten heute fast 80 Prozent der Männer länger als 35 Stunden, so streben dies nur 44 Prozent an. Bei den Frauen sinkt der Wert von 48 Prozent auf 17 Prozent. Es gibt nur eine Gruppe, bei der die tatsächlich geleistete Arbeitszeit und die gewünschte Arbeitszeit übereinstimmen: Frauen mit Kindern.

Geht es um die Kinderfreundlichkeit in Bayern im Allgemeinen, sehen nur 15 Prozent eine Verbesserung in den letzten beiden Jahren, im Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind es unwesentlich mehr. Was schwerer wiegt: In beiden Bereichen ist der Anteil jener, die Verschlechterungen wahrnehmen, sogar noch höher.Frauen und Männer sind sich also einig: Es braucht eine partnerschaftliche Arbeitsteilung – sowohl der Erwerbs-als auch der unbezahlten Arbeit.

Aktuell fehlt von einem gelungenen Ausgleich im Privaten jedoch jede Spur: Frauen stecken sehr viel Zeit und Energie in die Hausarbeit, Männer hingegen halten sich von dieser fern. Solange
aber die Hausarbeit so ungleich verteilt ist, kann eine Gleichstellung von Frauen und Männern im Beruf ebenfalls nicht erwartet werden.

Politisches Interesse und Beteiligung: Gut ein Drittel der Männer interessiert sich (sehr) stark für Politik, bei den Frauen sind es nur 11 Prozent. Die jungen Männer und Frauen sind durchaus engagiert, wenn auch weniger in traditionellen Gremien.

Hier finden Sie die komplette Studie.

www.bayernforum.de

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